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Veranstaltungen 2012

Voller Nostalgie und Esprit
Die Dresdner Salon-Damen swingen, singen und spielen Lieder der 30er- und 40er-Jahre im Sparkassenhaus Pforzheim

Immer schwingt auch ein klein wenig Ironie in den Zeilen mit. Immer hat Karolina Petrova einen scharfzüngigen Seitenhieb parat. Und so bekommen nicht nur ihre Musikpartnerinnen der Reihe nach ihr Fett weg. Auch die Zuschauer bleiben während des überaus vergnüglichen Konzertabends der Dresdner Salon-Damen im Sparkassenhaus Pforzheim nicht verschont. „Sie schwitzen, man riecht's", sagt die Blondine in ihrer frechen und charmanten Art, und keiner ist ihr böse.

Petrova kann nämlich weit mehr als austeilen. Sie ist das wandelbare „Juwel" des sächsischen Frauenquintetts, die faszinierende Solostimme mit dem großen Stimmumfang und der ausdrucksstarken Präsenz, die auch noch am Schluss mit dem Knef-Hit „Für mich soll's rote Rosen regnen" berührt. Und wenn die kecke Sängerin nicht gerade Klassiker der 1920er-, 1930er- und 1940er-Jahre ins nostalgische Mikrofon haucht, dann spielt sie eben Violine. Gleich zwei Mottos' stehen über diesem Abend, der in Kooperation mit „Musik aus Dresden" stattfindet: „Das gibt's nur einmal, das kommt nie wieder" und „15 Jahre Dresdner Salon-Damen". Und beiden wird das Quintett gerecht - mit fingerschnipsender Leichtigkeit, Tiefgang und stilechten Kleidern in samtenem Rot oder glitzerndem Türkis. Vor allem aber sind die Damen allesamt die reinsten Multitalente. Franziska Graefe zum Beispiel ist nicht nur eine hervorragende Geigerin, wie sie bei Hans Zanders Zigeunertanz beweist. Sie „putzt" auch leidenschaftlich gerne und swingt mit einem Handbesen zu Titeln wie „In der himmelblauen Limousine".

Silke Krause, die Arrangeurin der Stücke, fegt nicht nur mit Glissandi oder Staccati über die Tasten des Klaviers. Sie bringt auch das Akkordeon beim eben genannten Zigeunertanz in all seinen Klangfarben zur Geltung. Beate Hofmann ist die Frau mit der geheimnisvoll dunklen Seite: Sie verleiht den Liedern - besonders schön die sehnsuchtsvollen Walzer - ihren tiefen Glanz an Cello und Kontrabass. Und Cecile Pfeiff macht ihrem Namen alle Ehre: Sie pfeift und schnalzt bei „In der Bar zum Krokodil" und schüttelt Kokosnüsse im Rumba-Rhythmus. Vor allem aber ist sie die Königin des Klarinettenspiels. Mit frohlockend schönen Holzbläsertönen unterstreicht Pfeiff die schwungvolle Charleston-Nummer „Musik, Musik, Musik" (Ich brauche keine Millionen). Auch ihr flotter und geschmeidiger Saxofon-Sound geht unter die Haut, bei „So ein Regenwurm hat's gut" oder „Die Männer sind schon die Liebe wert".

Fünf weitere junge Damen sind an diesem Abend zu hören - Rebecca Pfaff, Alina Steiner, Franca Jäger, Raphaela Jonait und Joana von der Musikschule Neuenbürg/Birkenfeld. Sie gestalten mit Christian Knebel am Klavier das Vorprogramm.
Anita Molnar/Pforzheimer Zeitung
Bild: Bechtle

 

Schlichte Eleganz des Klangs
Hans-Christoph Rademann dirigiert die Lukaspassion von Schütz.
Glanzvolle Leistung des Dresdner Kammerchors in Birkenfeld.

Die Musik wirkt karg und doch so vielsagend. Sie konzentriert sich auf das Wesentliche, erzählt die Leidensgeschichte Jesu aus unmittelbarer Nähe. Da ist kein Orchester, das für eine ausschmückende Untermalung sorgt. Da zählen nur die menschlichen Stimmen in ihrer direkten, klaren Schönheit: Die Lukaspassion von Heinrich Schütz (1585 - 1672), die älteste der drei Passionen des einstigen sächsischen Hofkapellmeisters in Dresden, ist wenige Tage vor Karfreitag eine Besonderheit. Vor allem dann, wenn sie von einem solch erstklassigen Chor wie dem Dresdner Kammerchor unter Leitung des renommierten Dirigenten Hans-Christoph Rademann vorgetragen wird. Bei dessen wunderbaren A-cappella-Gesang wird sofort klar, dass hier Spitzensänger am Werk sind.

Die schlichte Eleganz macht denn auch den Reiz dieses Saisonauftakts der Reihe „Musik aus Dresden" aus. Gebannt verfolgt das Publikum in der evangelischen Kirche Birkenfeld das vom SWR auf zeichnete Konzert. Im Vordergrund der Lukaspassion stehen zwei Solisten: Der Tenor Jan Kobow als Evangelist Lukas und Bass Felix Rumpf als Jesus. Im steten Wechsel ihrer einfach gehaltenen Rezitative lassen sie das Leid Jesus Christus deutlich werden. Die helle, zarte, leicht näselnde Stimme des Tenors erreicht leuchtende Höhen. Schön ist beispielsweise die leise begonnene Passage „Und es war um die sechste Stunde", die Kobow zunehmend mit verzweifeltem Ausdruck gestaltet. Das warme Bariton-Timbre des Basses besticht besonders in solch gefühlsbetonten Momenten wie „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun". Mit markanter Tiefe überzeugt auch Bass Felix Schwandtke als Pilatus! Spannungsgeladen tritt immer wieder der vierstimmige Chor hervor, mal als Jünger, mal als Hohepriester und   Schriftgelehrte. Rademann gibt ihm energische Impulse, woraufhin sich Wutausbruch und Scharfzüngigkeit ergreifend nahe in den Motetten niederschlagen. Die Forderung „Hinweg mit diesem" zum Beispiel wirkt in seiner ratternden Schnelligkeit wie eine Drohgebärde.

Thematisch gleich, in seiner musikalischen Wirkung aber ganz anders, ist Schütz' „Die sieben Worte Jesu" (SWV 478). Dieses tief bewegende Werk ist für fünf Sänger, ebenso viele Instrumente, Basso continuo und Chor geschrieben. In der Birkenfelder Aufführung wird der Instrumentalpart von Hille Perls einfühlsamen Gambenconsort Sirius Viols mit Julia Veto, Juliane Laake, Sarah Perl und Frauke Hess ausgefüllt. Der dunkle Klang der Gamben kommt besonders in den zwei Sinfonien nach dem Eingangs- und vor dem Schlusschor zur Geltung. Schön unterstreicht das Ensemble auch Jesu' Worte „Mich dürstet" mit langen Bogenstrichen. Lautenspieler Lee Santana an der 16-saitigen Theorbe und Organist Ludger Remy sorgen für weitere Klangfarben. Bemerkenswert ist, dass der Evangelist von unterschiedlichen Stimmlagen, teilweise sogar vierstimmig gesungen wird. Altus Stefan Kunath setzt hier schöne Akzente. Aber auch die Sopranistin Ulrike Hofbauer überzeugt mit ausdrucksvoller Stimme. Bei der Litania „Kyrie eleison" wirkt sie an der Seite der stimmgewaltigen Marie Luise Werneburg jedoch etwas zaghaft. Die dicht vorgetragene Motette für Doppelchor „Unser Herr Jesus Christus in der Nacht" (SWV 495) rundet das Konzert ab.
Anita Molnar/Pforzheimer Zeitung
Bild: Gerhard Ketterl
  

Viele Glanzpunkte der Chormusik gesetzt
Dresdner Kammchor spielt Werke von Heinrich Schütz

Mit dem Dresdner Kammerchor unter der Leitung seines Dirigenten Hans Christoph Rademann war ein Glanzpunkt der Chormusik am Sonntagabend zu Gast in der Evangelischen Kirche in Birkenfeld. Die Dresdner Gäste führten damit eine seit 30 Jahren bestehende Tradition fort, die 1981 mit der ersten Einladung an den Trompeter Ludwig Güttler begann und zu der Konzertreihe „Musik aus Dresden" der evangelischen Kirchengemeinde Birkenfeld führte. Heinrich Schütz (1585 bis 1672), dessen Werke aufgeführt wurden, hatte durch die Verwendung der deutschen Sprache in der überwiegenden Anzahl seiner Kompositionen eine eminente Bedeutung für die europäische Musikgeschichte. Auf diese Weise konnte die rhythmische Kraft und die Eindringlichkeit seiner Musik durch die Übereinstimmung von Betonung und Bedeutung besser ausgedrückt werden als in der lateinischen Sprache.

Dies zeigt sich sehr klar in der Lukas-Passion für Soli und vierstimmigen Chor. Die kleinere Zahl der Choreinsätze neben den Solisten - sehr gut der Tenor Jan Kobow als Evangelist und der Bariton Felix Rumpf als Jesus - beeindruckten mit ihrer Prägnanz, und im Gegensatz zu den durchweg ruhigen Solopassagen waren sie leb haft und zum Teil auch stürmisch. Nach   der doppelchörigen Motette „Unser Herr Jesus Christus in der Nacht als er verraten war" erklang die „Litania, Kyrie eleison", eine sechs stimmige Vertonung der „Deutschen Litanei" Martin Luthers von 1529. Mit Gambe, Orgel und Theorbe hatte dieses Werk  auch seinen Reiz in den Überschneidungen und Übergängen der einzelnen Stimmen. Bei dem geistlichen Konzert für eine Singstimme, vier Obligat-Instrumente und Basso continuo „Erbarm dich mein, o Herre Gott" war zu Beginn eine Sinfonia zu hören, wobei man beachten muss, dass von Heinrich Schütz keine Instrumentalmusik erhalten ist. Die Sopranistin Ulrike Hofbauer sang mit klarer Stimme und wurde von der Gambengruppe „Sirius Viols" mit Hille Perl perfekt begleitet.

Diese Gruppe mit Orgel und Theor be, gespielt von Ludger Remy und dem Lautenisten Lee Santana, bilde ten auch die Begleitung zu der Passionsmusik „Die sieben Worte Jesu". Bei diesem Werk wurde durch Wechsel der Stimmlage die Partie des Evangelisten von verschiedenen Sängern interpretiert. Hier und in den anderen Stücken zeigte sich der großartige Klang des ganzen Ensembles, sowohl als Chor oder als Solisten: es klang einfach gut. Das Publikum in der voll besetzten Kirche spendete Sängern, Instrumentalisten und dem Dirigenten großen Beifall für ein herausragendes Konzert.
Christian Henrich/Pforzheimer Kurier

 

Junge Talente zeigen ihr Können
Programm der Veranstaltungsserie „Musik aus Dresden" festlich vorgestellt im evangelischen Gemeindehaus in Birkenfeld

Umrahmt von einem Konzert mit Schülern der Musikschule Neuenbürg im evangelischen Gemeindehaus in Birkenfeld stellte Dorothee Schumacher das Programm der Veranstaltungsserie Musik aus Dresden vor.

Die jungen Künstler Emilia Haefner und Phil Gengenbach als Klavierduo, Jessica Kibardin (Klarinette), das Duo Lena Jauch (Violoncello) und Luca Gengenbach (Klavier), das Duo Malin Grass (Violine) und Rebecca Pfaff (Klavier) sowie die Musikstudentin Marie Therese Zahnlecker am Klavier unterhielten das Publikum mit Werken großer Meister.

Das Jahresprogramm beginnt mit dem Großereignis am 1. April. Der Dresdner Kammerchor mit hervorragenden Gesangssolisten, Professor Ludger Remy an der Orgel, dazu das berühmte Gamben Consort führen in der evangelischen Kirche Birkenfeld die Lucas-Passion und „Sieben letzte Worte" von Heinrich Schütz auf. Eine Einführung in das Werk beginnt um 17.15 Uhr. Das Konzert startet um 18 Uhr. „Das gibt's nur einmal, das kommt nie wieder" behaupten die Dresdner Salondamen am 11. Mai in der Sparkasse Pforzheim Calw. „Keine Veranstaltung von uns, aber ohne uns nicht möglich, ist der Internationale Meisterkurs für Gesang vom 2. bis 9. September mit Professor Elisabeth Wilke und Jobst Schneiderat auf Schloss Neuenbürg, bei dem Besucher willkommen sind", sagte Schumacher. Das „Karalis Bass Quartett" gastiert am 22. September im Autohaus. Am 23. September geben diese Künstler ein Konzert für Kinder. Die Gruppe „Herkuleskeule" kommt am 19. Oktober mit „Radioballett" in die Aula der Ludwig-Uhland-Schule. Organist Matthias Eisenberg und das Dresdner Trompeten Consort beschließen am 14. Dezember in der evangelischen Kirche das Jahresprogramm.

Zur Abrundung des Vorstellungsabends stellte Kunsthistorikerin Claudia Baumbusch das Gemälde „Die sixtinische Madonna" von Raffael vor.
Waltraud Günther/Pforzheimer Zeitung

 

 

 

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